MÜHLEN

Die drehbare Haube

Die Flügel sind schräge Flächen d. h. die Flügel müssen in den Wind gedreht werden, dass der Wind von vorne senkrecht auf die Drehebene weht.

Grundsätzlich unterscheidet man Innenkrüher und Außenkrüher. Innenkrüher oder Binnendreher haben sehr große Hauben die sich von innen mit einer Kurbel drehen lassen.

Außenkrüher oder Außendreher wurden etwa 1570 eingeführt. Hier wurde zuerst von Hand über einen senkrecht stehenden Balken, den sogenannten Steert, die Haube in den Wind gedreht. Der Steert ist mit einem Balkensystem verbunden (Spreet und Schoren), welches als Hebel dient, so dass sich die Haube von Hand drehen läßt. Dazu ist allerdings, abhängig davon wie die Haube gelagert ist, ein gewisser Kraftaufwand erforderlich.

Später wurde am Ende des Steerts eine Kurbel, die sogenannte Krühhaspel angebaut, auf der ein oder zwei Ketten aufgedreht wurden, die an der Galerie und dem Boden verankert waren. Durch Drehen an der Krühhaspel konnte die Haube in den Wind gedreht werden.


steert.jpg

Steert, Spreet und Schoren
(Windmühle Schwensby)


Die drehbare Haube selbst ist entweder auf Rollen gelagert (Rollenkrühwerk) oder auf kurzen Holzbalken (Gleitkrühwerk), auch Gleitschuhe genannt. Bei einem Rollenkrühwerk läßt sich die Haube mit weniger Kraftaufwand drehen als bei einem Gleitkrühwerk.



Die Windrose

Im 18. Jahrhundert wurden viele Windmühlen mit einer Windrose nachgerüstet. Diese hat die Aufgabe, die Haube mit den Flügeln automatisch in den Wind zu drehen. Die Windrose ist so gebaut, dass sie sich am stärksten dreht, wenn der Wind senkrecht auf ihre Drehebene weht, also genau wie bei den Flügeln. Nur ist die Windrose um 90 Grad versetzt zu den Flügeln auf der gegenüberliegenden Seite der Haube angebracht. Ist die Haube mit den Flügeln in den Wind gedreht, weht der Wind genau in Drehrichtung auf die Windrose womit sich diese nicht drehen kann. Erst wenn der Wind seine Richtung ändert, und in einem mehr oder wenigen flachen Winkel senkrecht zur Drehrichtung der Windrose weht, beginnt sich diese zu drehen. Durch die Drehbewegung der Windrose wird die Haube über eine Kette und ein Getriebe so immer automatisch in den Wind gedreht, wenn sich die Windrichtung ändert.


windmuehlen_krokau2.jpg

Windrose
(Windmühle Krokau)


Für die Haubennachführung gibt es verschiedene Antriebsarten. Häufig geschieht dies über einen inneren Zahnkranz (Walzenantrieb). Bei anderen Mühlen ist außen unter der Haube eine sogenannte Kroykette befestigt. Die Kroykette ist mit dem Windrosenantrieb verbunden und wird mit einem Kroykettenspanner, der unter dem Windrosengetriebe angebracht ist, auf Spannung gehalten. Im Prinzip dreht sich die Haube um diese Kette herum. Die Kroykette muß regelmäßig überprüft werden, da durch Verschleiß einzelner Kettenglieder die Kette langsam länger wird und sie irgendwann durchhängt, so daß der Antrieb nicht mehr richtig funktioniert.


kroykette.jpg

Kroykette
(Windmühle Krokau)


Je nachdem, von welcher Seite der Wind auf die Windrose weht, dreht sie sich in die eine oder in die andere Richtung. Damit kann sich auch die Haube rechts- oder linksherum drehen. Das Getriebe ist so gebaut, dass es beidseitig funktioniert, wodurch es auch recht komplex ist. Die Haube dreht sich immer in die Richtung, in der sich auch die Windrichtung ändert. Ändert der Wind seine Richtung z. B. von Süd auf West, dreht sich auch die Haube von Süden nach Westen. Und ändert sich die Windrichtung von Süd auf Ost, dreht sich auch die Haube von Süden nach Osten.


windrose_getriebe.jpg

Das Getriebe der Windrose für die Haubendrehung
Unten in der Bildmitte sieht man den Kroykettenspanner
(Windmühle Krokau)


windrose_getriebe_2.jpg

Das Getriebe der Windrose für die Haubendrehung
(Windmühle Krokau)


Die meisten Windrosen haben acht Blätter - es gibt aber auch Windrosen mit anderer Blätterzahl. Selten sind die sogenannten Doppelwindrosen.


doppelwindrose.jpg

Doppelwindrose
(Windmühle Bönebüttel Husberg)


Sehr ungünstig ist der Fall, wenn der Wind plötzlich z. B. bei einem Gewitter um genau 180 Grad dreht. Dann weht der Wind genau von der anderen Seite in Drehrichtung der Windrose womit sich diese kaum dreht und die Haube auch nicht automatisch in die neue Windrichtung gedreht wird. Da in diesem Fall der Wind von hinten auf die Flügel weht, können sich diese rückwärts drehen, wenn keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen getroffen sind, z. B. eine Sperre die das Rückwärtsdrehen der Flügelwelle verhindert. Bei rückwärts drehenden Flügeln funktioniert die Bremse nicht mehr so gut und sie würde sich sehr stark erhitzen, was zu einem Mühlenbrand führen kann.


sperre_gegen_rueckwaertsdrehen.jpg

Sperre gegen Rückwärtsdrehen der Flügel am Kammrad
(Windmühle Krokau)


Vor einem Sturm ist daher immer die korrekte Funktion des Windrosenantriebs zu kontrollieren! Fällt bei Sturm oder Orkan der Windrosenantrieb aus, wird die Haube nicht mehr der Windrichtung nachgeführt. Weht der Wind dann von hinten auf die Flügel, wirkt die Bremse nicht mehr richtig und die Flügel können anfangen sich rückwärts zu drehen (wenn keine Rücklaufsperre vorhanden ist), die Bremse erhitzt sich sehr stark und es kommt zu einem Mühlenbrand. Auch kann ein Sturm, wenn er von hinten auf die Flügel weht, die ganze Haube herunterreißen. Mühlen sind in der Regel recht sturmfest, aber nur wenn bei einem angekündigten Sturm in der Mühle gewisse Sicherungsmaßnahmen getroffen werden, damit es dort nicht zu Schäden kommt.


Weiter Weiter - Die Flügel

© Copyright: 2017-2019 Mario Lehwald