MÜHLEN

Mühlen sind faszinierende Zeitzeugen und waren einmal überlebenswichtig. Meist wurden sie als Getreidemühlen verwendet, d. h. um Korn zu Mehl zu mahlen. Einige Mühlen dienten auch als Wasserpumpe, um Polder zu entwässern wie z. B. die Mühle "Charlotte" an der Geltinger Birk. Bei Elmshorn gab es sogar eine Mühle, die zum Antrieb einer Holzsäge benutzt wurde. Bekannt war auch die Gipsmühle direkt am Kalkberg in Bad Segeberg, die lange das Wahrzeichen der Stadt Segeberg war und für das Zermahlen von Gips benutzt wurde.

In Kiel-Suchsdorf gab es auch einmal eine Mühle. Diese Windmühle wurde 1841 von A. J. Kühl an der Eckernförder Chaussee gebaut. Im Jahr 1890 ist die Mühle abgebrannt. Daraufhin baute E. A. Matz aus Osdorf neben der abgebrannten Suchsdorfer Mühle eine neue mit zweistöckigem Unterbau und Jalousieklappenflügel. 1921 ging diese Mühle in den Besitz der Familie Greve über und wurde 1957 teilweise abgebrochen.

In meiner Grundschulzeit Ende der 70er Jahre war der untere Teil der Mühle noch vorhanden, auf dem Gelände des heutigen Edeka-Marktes. Auf dem Schulweg sah ich sie oft. Kurze Zeit später wurde die Eckernförder Straße auf vier Spuren ausgebaut, und durch den Bau des Vorgängers des heutigen Edeka-Marktes (ENO) der Stumpf der Mühle abgerissen.


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Ein selten gewordenes Landschaftsbild
hier mit der Windmühle bei Klein-Barkau


Auf alten Fotos oder Stichen fiel mir später auf, dass oftmals eine Mühle im Hintergrund zu sehen war. Diese Bauwerke gehörten damals zum Landschaftsbild wie heute die Funkmasten. Nach meiner Schulzeit fiel mir das kleine "Heimatbuch Suchsdorf" in die Hände, welches 1959 vom Magistrat der Stadt Kiel und vom Ortsbeirat Suchsdorf herausgegeben wurde. Dort konnte man die ehemalige Windmühle mit den Flügeln an der Eckernförder Chaussee auf Schwarzweissfotos bewundern.

Mein Opa, der damals auf einem Holzbauhof in Russee wohnte, hatte bis in die 1970er Jahre Gartenmühlen aus Holz gebaut. Eine davon stand bis etwa 1983 in unserem Garten. Wozu dieses kleine silberne Rad neben der Kappe war, wußte ich damals noch nicht. Leider kam diese Mühle etwa Mitte der 80er Jahre völlig verrottet in den Sperrmüll. In der Wohnung des Opas hingen damals mehrere Bilder von Holzmühlen an der Wand, die er vermutlich selbst gebaut hatte.


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Der Autor im Jahr 1976 neben der von seinem Opa gebauten Mühle (links)
Foto einer weiteren vermutlich vom Opa des Autors gebauten Mühle (rechts)


Im Jahr 1998 fuhr ich mit ein paar Freunden von der Sternwarte Kronshagen nach Wisch bei Laboe. Auf der Fahrt dorthin fiel mir eine alte Mühle bei Krokau auf, die rechts neben der B 502 stand.


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Die Windmühle in Krokau
ist von der B 502 gut zu sehen


Im Juli 2003 wollte ich den Leuchtturm Kalkgrund in der Flensburger Förde von Land fotografieren. Ich fuhr an die Geltinger Birk und ging von dort zu Fuss den Wanderweg nach Osten. Der Weg führte an der Mühle "Charlotte" vorbei. Diese beachtete ich nicht so sehr, da ich auf den Leuchtturm fixiert war, allerdings fotografierte ich sie einmal.


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Die Windmühle Charlotte an der Geltinger Birk
im Juli 2003


Es passierte lange Zeit nichts, bis ich im Oktober 2017 abends ab und zu in das "Heimatbuch Suchsdorf" hineinsah. Immer wieder fiel der Blick auf das alte Foto der ehemaligen Windmühle an der Eckernförder Chaussee. Ich beschloss in den nächsten Tagen eine noch bestehende Windmühle zu besuchen und einige Fotos von ihr in Farbe zu machen. Die Mühle "Charlotte" kam mir als erstes wieder in den Sinn, aber die war schon recht weit weg und könnte man besser im Sommer besuchen. Gab es vielleicht noch etwas näheres?

Da kam mir die Mühle kurz vor Wisch wieder in den Sinn. Es war neben der "Charlotte" in der Geltinger Birk die einzige, die ich kannte. Mitte November 2017 gab es einen schönen Spätherbsttag. Ich fuhr Richtung Heidkate und fand schließlich die Windmühle Krokau, wie sie offiziell heißt. Es entstanden an diesem schönen Nachmittag sehr gute Fotos im Abendlicht.


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Die Windmühle Krokau
am 13. November 2017


Im Web fand ich kurz darauf weitere Informationen und dass in der Nähe von Boksee eine gut gepflegte Windmühle am Rähkrug vorhanden ist. Bei Google-Earth konnte ich die Landschaft einsehen und auch einen Weg erkennen, von dem aus man einen guten Blick auf die Mühle hat. An einen trüben Nachmittag Ende November 2017 fuhr ich dort hin und machte Fotos. Anfang Dezember gab es einen sonnigen Tag und ich besuchte diese Windmühle erneut. Es war schon etwas besonderes Windmühlen, die nicht mehr existierten, nicht nur auf alten Schwarzweissfotos sondern in der Realität zu sehen! Und im Sommer würde das bestimmt richtig gut aussehen.


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Windmühle am "Rähkrug" zwischen Boksee und Klein-Barkau
Ende November und Anfang Dezember 2017


Auch die Windmühle "Auguste" in Gross-Wittensee fand ich Anfang Dezember 2018 im Web. Ihr stattete ich an einem klaren Winterabend Mitte Dezember 2018 einen Besuch ab und es entstanden sehr schöne Aufnahmen von der Mühle vor dem tiefblauen Himmel der Abenddämmerung.


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Windmühle "Auguste" in Groß-Wittensee
Mitte Dezember 2017


Anfang Februar 2018 erfuhr ich im Web von der Langenrader Mühle bei Ascheberg und das diese sogar oft in Betrieb ist. So besuchte ich die Windmühle "Sventana" zweimal Anfang Februar 2018 bei etwas Schnee und das zweite Mal bei sonnigem und besten Winterwetter, wo sehr viele Fotos entstanden. Die Mühle machte einen sehr guten Eindruck und sah noch wie neu aus.


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Windmühle "Sventana" bei Ascheberg
Anfang Februar 2018


Die Windmühle "Sventana" bei Ascheberg eignet sich besonders zur Fotografie der Mühle mit der untergehenden Sonne. Zum einen steht diese Mühle komplett frei und ist nicht an einer oder mehreren Seiten von Bäumen oder Häusern eingeschlossen. Zum zweiten läuft ein Weg östlich der Mühle, wo man einen guten Standort hat. Hier kann man seine Position so wählen, dass die Sonne im Sommer direkt neben der Mühle untergeht. So sind hier viele Bilder von Sonnenuntergängen entstanden.


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Sonnenuntergang an der Windmühle "Sventana" bei Ascheberg
im Mai 2018


Im April 2018 besuchte ich das Freilichtmuseeum in Molfsee, wo es drei Mühlen gibt: Eine Bockwindmühle, einen Galerieholländer und eine Spinnkopfmühle. In Grebin steht auf einen Hügel die Windmühle "Wagria", die ich im April 2018 ebenfalls mehrmals besuchte. In dieser Mühle befindet sich auch ein Sommercafe.


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Windmühle "Wagria" in Grebin
Mitte April 2018


Wiederum im Web erfuhr ich von einer Windmühle in Schwensby, wo sogar noch Korn gemahlen wird. An einen schönen Nachmittag Anfang Mai 2018 fuhr ich dort hoch und konnte die Mühle und den direkt daran angeschlossenen Mühlenladen besichtigen. Auch oben in der Kappe konnte ich einige Fotos von dem gewaltigen Kammrad und den Bunkel machen. Walter Skau, einer der Müller, zeigte mir auch eine Buchreihe, in der Mühlen auf alten Postkarten gezeigt wurden. Dort sah ich zum ersten Mal, dass es im Bereich um Kiel herum einst sehr viele Mühlen gab.


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Windmühle in Schwensby
Anfang Mai 2018


Im Web fand ich einen Zeitungsbericht, in dem die Windmühle "Nicola" bei Schleswig erwähnt wurde. Auch hier wird noch richtig Korn gemahlen. Diese Mühle besuchte ich Mitte Mai 2018 bei bestem Wetter. Sie befindet sich auf einen ehemaligen Bundeswehrgelände "Auf der Freiheit". Dies soll vor 100 Jahren ein sehr schöner Ostseestrand gewesen sein, bis dieser vom Militär in Beschlag genommen und dort die Kaserne gebaut wurde. Jetzt ist das alles seit Jahren aufgegeben und direkt am Wasser wurde eine schöne alte Windmühle aufgebaut. Im Gegensatz zu den anderen Windmühlen der Umgebung hat die Mühle "Nicola" sogenannte Ventikanten-Flügel. Ich blieb bis zum späten Abend und es entstanden sehr gute Fotos in dem weichen Abendlicht.


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Windmühle "Nicola" bei Schleswig
im Mai 2018


Auch die Windmühle "Charlotte" besuchte ich im Mai 2018 nach langer Zeit wieder an einem schönen klaren Frühlingstag. Auch hier blieb ich länger, denn das weiche Abendlicht erzeugt gute Bilder. Auch den nachfolgenden Sonnenuntergang nahm ich mit, denn die Sonne versank knapp links von der Mühle in der Geltinger Birk.


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Windmühle "Charlotte" an der Geltinger Birk
im Mai 2018


Ich konnte es auch kaum erwarten, bis wieder alles richtig grün wurde, denn die Windmühlen müßten gerade im Sommer in der grünen Landschaft hervorragende Bilder ergeben. Das anhaltende schöne Wetter im Mai 2018 und der Supersommer 2018 kamen dem sehr entgegen.


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Windmühle am "Rähkrug" zwischen Boksee und Klein-Barkau
im Mai 2018


Vom Deutschen Mühlentag, der immer am Pfingstmontag stattfindet, erfuhr ich schon im Winter. Der nächste war am 21. Mai 2018. Dieser Tag wurde vorgemerkt, aber zu welcher Mühle sollte es gehen? Es sollte eine sein, die noch betriebsfähig ist und so entschied ich mich für die Krokauer Mühle, da diese am nächsten lag. Als ich dort am frühen Nachmittag ankam, drehten sich bereits ihre Flügel. Es war das erste Mal, dass ich eine Windmühle in Betrieb sah. Im Innern lief der Mahlgang und die großen Holzräder drehten sich und brachten die Mühle in spürbare Vibration. Es entstanden sehr viele Filmaufnahmen an diesem Nachmittag. Nach der Veranstaltung wurde mir freundlicherweise sogar die Kappe von innen gezeigt - ein Bereich der normalerweise für Besucher gesperrt ist. Die Krokauer Mühle ist jeweils am Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet, ab Pfingsmontag bis Ende September.


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In der Windmühle Krokau am Deutschen Mühlentag am 21. Mai 2018


Im Sommer 2018 entstanden viele weitere Mühlenfotos u. a. auch abends mit dem Mond. Die Mühle in Krokau wird abends von Scheinwerfern angeleuchtet. Besonders im Winter, wenn es abends früh dunkel wird, sieht das gigantisch aus. So habe ich im Dezember 2018 auch viele Nachtfotos an der Krokauer Mühle machen können.


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Die Windmühle Krokau abends im Dezember 2018



Vergiss die Mühle nicht!

Für sehr lange Zeit - viel länger als es die heutige technische Zivilisation gibt oder je einer gelebt hat - waren die Mühlen für das Überleben notwendig und haben unsere Vorfahren mit Mehl und damit Nahrung versorgt. Auch der Alltag des Müllers war nicht frei von Sorgen. Er konnte und mußte arbeiten, wenn Wind wehte. In der Literatur, Dichtung und in zahlreichen Bildern hat die Mühle ihren Einfluss gehabt. Leider sind viele Mühlen nach 1900 abgerissen worden, aber ein kleiner Rest hat bis heute überlebt und ist in einer anderen Art und Weise nützlich: Als Gasthaus, als Eigenheim oder als Museum. Einige von ihnen sind so weit restauriert, dass sie sogar funktionieren und komplett malfähig sind. Der heute noch oft vorkommende Name "Müller" weist darauf hin: Vergiss die Mühle nicht!


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Vergiss die Mühle nicht!


Wer eine sich in Betrieb befindliche Windmühle betritt, macht eine Zeitreise von über 100 Jahren und wird diesen Eindruck so schnell nicht wieder vergessen. Im Innern der Mühle riecht es nach frisch gemahlenen Schrot und nicht nach Bohnerwachs oder Chemie. Über den Köpfen der Besucher dreht sich geräuschvoll die Mechanik: Das etwa 3 Meter große Stirnrad aus Holz, angetrieben vom Kammrad der Flügelwelle, das wiederum den Mahlgang antreibt. Das gesamte Mühlengebäude vibriert unter der laufenden Maschine, die einen den höchsten Respekt einflößt. Einerseits ist es die Kraft des Windes, die diese Maschine antreibt, und andererseits die ausgeklügelte und völlig ausgereifte Technik, die vor langer Zeit von Menschenhand erschaffen wurde.


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