MÜHLEN

Typen

Im Laufe der Zeit entstanden verschiedene Typen von Windmühlen. Der älteste Windmühlentyp ist die Bockwindmühle.



Bockwindmühle

Die älteste Form ist die Bockwindmühle, die seit etwa dem 12. Jahrhundert bekannt und nachgewiesen ist. Hier ist das gesamte Mühlengebäude drehbar auf einem Bock gelagert. Das kastenförmige Mühlengebäude selbst steht auf einem dicken Pfahl, dem Hausbaum, der mit einem nach oben zusammenlaufenden Holzbalkengestell abgestützt ist. Um die Mühle in den Wind zu drehen, mußte das gesamte Gebäude gedreht werden.


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Bockwindmühle
(Freilichtmuseum Molfsee)


In dem kastenförmigen Mühlengebäude war das gesamte Mahlwerk und andere Geräte untergebracht. Die Flügelwelle mit den Flügeln sitzt leicht schräg im oberen Teil des Mühlengebäudes. Von dort wird über den sogenannten Obenbunkel die Drehbewegung der horizontlane Flügelwelle auf eine vertikale Achse übertragen, die den Mahlstein antreibt. Auf der Rückseite des Mühlengebäudes befindet sich ein langer Auslegerbaum, auch Steert genannnt, mit dem das Mühlengebäude in den Wind gedreht wird.


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Der Steert (links) einer Bockwindmühle
(Freilichtmuseum Molfsee)


Eine Bockmühle stand einst in Sprenge, einem Ortsteil der heutigen Gemeinde Schwedeneck. Die auch "graue Greet" genannte Bockmühle stand dort etwa 200 Jahre, als sie langsam morsch geworden war. Im Mai 1917 hatte der Mühlenpächter bei einem Sturm in der Mühle komische Geräusche wahrgenommen. Er und sein Müllergeselle konnten sich noch gerade aus dem Gebäude heraus retten, als es kurz danach komplett unter Getöse in sich zusammenstürzte.



Kokerwindmühle

Die Kokerwindmühle, auch Köcherwindmühle, oder Wippmühle genannt, ist eine Weiterentwicklung der Bockwindmühle. Der Bock sitzt auf einen Sockel aus Holz oder Stein und ist komplett umschlossen, entweder mit Holz oder Stein. Der Hausbaum ist innen hohl und wird als Köcher oder Koker bezeichnet. Durch den inneren Hohlraum des Hausbaums läuft die senkrechte Antriebswelle, auch Königswelle genannt. Kleinere Mühlen dieser Art werden auch als Spinnkopfmühle bezeichnet.

Der im Gegensatz zur Bockwindmühle deutlich kleinere Mühlenkasten enthält nur noch den Antrieb, also die Flügelwelle, das Kammrad und den Bunkel. Auf der Rückseite des Mühlenkastens ist der Steert angebracht, sowie ein Rad (die sogenannte Krühhaspel) um den Mühlenkasten in den Wind zu drehen. So kann der Mühlenkasten um die Königswelle herumgedreht werden. Für den Zugang in den Mühlenkasten befindet sich über dem Steert eine kleine Tür, die man über eine Leiter erreicht. Das übrige Mahlwerk befindet sich in dem meist quadratischen und nach oben pyramidenförmigen Unterbau. Bei großen Kokerwindmühlen war in dem Unterbau auch der Wohnraum des Müllers eingerichtet.


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Eine Spinnkopfmühle aus Fockendorf
(Freilichtmuseum Molfsee)


Kokerwindmühlen wurden oft als Poldermühlen eingesetzt. Sie trieben im unteren Teil eine archimedische Schraube an, mit der Wasser aus Entwässerungsgräben gepumpt wurde. In den küstennahen Gegenden der Nordee kamen diese Mühlen besonders oft vor. In Deutschland waren die Kokerwindmühlen allerdings recht klein, während es in Holland recht große Exemplare gab und auch immer noch gibt. Die größte Kokerwindmühle ist die "Wingerdse Molen", eine Poldermühle aus dem Jahr 1513 in Grafstroom nordöstlich von Dordrecht. In Holland wurden Kokerwindmühlen auch zum Malen von Getreide und als Sägemühlen verwendet.


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Die Schöpfmühle Honigfleth an der B5 bei Wilster
ist ebenfalls eine Kokerwindmühle


In Deutschland gibt es nur noch wenige Exemplare dieses früher einmal verbreiteten Mühlentyps, z. B. die Kokerwindmühle Honigfleth in der Wilstermarsch. Eine Spinnkopfmühle aus Fockendorf von 1850 befindet sich heute im Freilichtmuseum in Molfsee.



Turmwindmühle

Die Turmwindmühle besteht aus einen aus Stein aufgebauten Turm mit einer Dachkappe, in der die Flügel eingesetzt sind. Da bei diesem Mühlentyp die Kappe nicht drehbar ist, wurden die Flügel nach der Hauptwindrichtung ausgerichtet.



Holländerwindmühle

Die häufigste und bekannteste Form ist die Holländerwindmühle. Bei dieser Art von Windmühle braucht nur die Haube oder Kappe gedreht zu werden. Als Erfinder der drehbaren Haube wird heute der Holländer Jan Adriaanszoon Leeghwater (1575 bis 1650) angesehen. Ab dem 16. Jahrhundert breitete sich dieser Mühlentyp immer mehr aus und verdrängte die Bockwindmühlen.

Der Erdholländer ist auch als Grundsegler bekannt. Er besitzt kein steinernes Grundgeschoss und die Flügelenden befinden sich nahe des Erdbodens.


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Erdholländer
(Windmühle Charlotte)


Der Sockelgeschossholländer besitzt ein steinernes Grundgeschoss.

Der Galerieholländer besitzt einen umlaufenden Balkon, auch Galerie genannt. Nur von der Galerie aus konnte man wegen der grösseren Höhe der Mühle die Flügel erreichen und die Mechanismen bedienen, um die Haube in den Wind zu drehen.


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Galerieholländer
(Freilichtmuseum Molfsee)


Abgestützt wurde die Galerie gewöhnlich mit schräg verlaufenden Holzstreben, die auf Konsolsteinen aus Granit auflagen, die im Mauerwerk des Unterbaus eingelassen waren.


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Holzstreben stützen die Galerie auf Konsolsteinen im Mauerwerk ab
(Freilichtmuseum Molfsee)


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Bei der Windmühle Rosa in Gettorf das gleiche Bild


Der Wallholländer oder Bergholländer wurde auf einen zuvor aufgeschütteten Erdwall gebaut. Dadurch befanden sich die Flügel höher im Wind, konnten aber vom Erdwall aus erreicht werden.

Der Durchfahrtholländer oder Kellerholländer wurde ebenfalls auf einen zuvor aufgeschütteten Erdwall gebaut, in dessen Mitte eine Durchfahrt in Form eines Tunnels gebaut wurde. So konnten Transportfahrzeuge direkt unter die Mühle fahren, um die Getreidesäcke zu verladen.


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Kellerholländer
(Windmühle Krokau)


Der Turmholländer wurde konisch aus Steinen gemauert, wobei im Gegensatz zur Turmwindmühle die Haube drehbar ist.

Daneben gibt es auch Mischformen. Es gibt z. B. Gallerieholländer mit einer Durchfahrt. Eine besondere Form ist der Dachholländer. Das ist eine Holländerwindmühle, die auf ein anderes Gebäude aufgebaut ist.


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