BERT KAEMPFERT

Im Sommer 1995 las ich auf einer James Last LP im Infotext, dass es neben James Last nur noch Bert Kaempfert geschafft hätte, sich mit reiner Orchestermusik weltweit durchzusetzen. Doch wer war Bert Kaempfert? Ich ging zum Mediamarkt und suchte nach CD's von ihm. Ich hatte Glück und fand die CD "Golden Memories". Nach kurzen Probehören war sie gekauft. Im Booklett der CD war zu lesen, dass die Plattenfirma Polydor die wichtigsten Alben von Bert Kaempfert auf CD wiederveröffentlicht - die sogenannte CD-Collection. Wenn man weitere Informationen wünscht, soll man an die genannte Adresse der Bert Kaempfert Music schreiben, was ich getan habe.

Einige Zeit später bekam ich einen Anruf von der Bert Kaempfert Music. Der Herr wollte gerne wissen, wie alt ich bin. Ich sagte ihn, dass ich 26 bin und er meinte, dass er überwiegend ältere Kaempfert-Fans in seiner Datenbank hätte, aber dass sich nach seiner Erfahrung auch zunehmend jüngere mit dieser Musik beschäftigen. Seitdem bekomme ich regelmäßig Post über neue Alben von Bert Kaempfert.

Im Winter 1995 / 96 folgten weitere CD's der Bert Kaempfert Collection und bald hatte ich alle 20 zusammen. Ich hörte in dieser Zeit fast ausschließlich die swingende und verträumte Musik von Bert Kaempfert. Von den sehr informativen CD-Bookletts kopierte ich einige Bilder von Bert Kaempfert und seinem Orchester und klebte sie in einen großen Bilderrahmen, den ich an die Wand hängte. Ein Freund fragte mich einmal, ob das der auf den Bild da mein Vater sei... Ich klärte ihn auf, dass das Bert Kaempfert, einer meiner Lieblingsmusiker ist. Da sagte er nur "Ach... und das reicht Dir aus um Dir von son Typen ein Bild an die Wand zu hängen?".

Im Sommer 1996 wechselte ich zur aktuellen Discomusik und die nächsten Jahre war erstmal andere Musik angesagt. Aber bald gab es eine weitere CD-Collection von Bert Kaempfert - die Good Life Music. 1997 fand ich in einem Kaufhaus viele CD's der neuen Collection auf einen Tisch mit Sonderangeboten und konnte diese für wenig Geld bekommen. Auch wenn ich in dieser Zeit andere Musik hörte, kamen die neuen CD's ins Regal.

Im Herbst 2002 wandte ich mich wieder vermehrt Bert Kaempfert zu und bestellte einige CD's vom Taragon-Label, die damals in den USA herausgekommen waren. Weiterhin legte ich mir auch die "Singles-Collection" zu, auf der mir besonders die alten Titel (teilweise noch in Mono) sehr gut gfielen: "Patricia", "Catalina", "Cerveza" und der einmalige "Mitternachtsblues". Im Dezember 2002 bestellte ich die neu erschienene Bert Kaempfert Story. Dieses spannende Buch las ich jeden Abend und hatte es nach knapp einer Woche durch. Anfang 2003 hörte ich besonders oft das Album "Orange Colored Sky", das wohl eines der schönsten ist, die Bert Kaempfert jemals gemacht hat.

Die Bert Kaempfert Story wurde später auch als Film im Fernsehen gezeigt, den ich gleich auf VHS aufnahm und später mehrmals gesehen habe. In diesem Film wurde erwähnt, dass Bert Kaempfert Anfang der 60er Jahre am Brahmsee ein Grundstück gekauft hatte. Aus Interesse fuhr ich im Oktober 2004 zum Brahmsee und sah mir die Gegend dort an.


zimmer_lampe.jpg

Das ist die richtige Atmosphäre für die Musik von Bert Kaempfert


Heute ist Bert Kaempfert für mich die Musik in der dunklen Jahreszeit, sei es nun drinnen bei gedämpftem Licht oder auf einer Fahrt. Die Musik von Bert Kaempfert hatte schon damals eine sehr hohe Wertigkeit und diese hat sie auch heute noch. Wenn Bert noch leben würde, könnte er sicher auch in der heutigen Zeit noch Riesenerfolge feiern. Bert Kaempfert gilt als "Mann der leisen Töne". Seiner swingenden und oft verträumten Musik muß man einfach verfallen. Es gibt aber auch rythmische Arrangements - eben die typische Good-Life-Musik. Er beweist in seinen Arrangements ein unglaubliches Taktgefühl und eine hohe Präzision. Genauer wie Bert Kaempfert läßt sich wohl kaum musizieren.

Bert Kaempfert ist es im Gegensatz zu James Last gelungen, auch in Amerika Fuss zu fassen. Im Gegensatz dazu hat James Last fast alles gespielt - von Klassik über Volksmusik, Partymusik bis zu moderner Musik. Früher wurde er ja oft als Partyking bezeichnet. Obwohl ich James Last auch oft höre, tendiere ich meist doch ein klein wenig mehr zu Bert Kaempfert. Das liegt vielleicht auch mit daran, dass ich kein großer Partytyp bin. Während James Last seine Musik stets am Puls der Zeit gehalten hat und auch mit jungen Musikern z. B. mit Rappern zusammengearbeitet hat, ist Bert Kaempfert eher seinem alten Sound treu geblieben. Viele haben ab Mitte der 70er Jahre mit einem Synthesizer gearbeitet, aber einen solchen gab es bei Bert Kaempfert nie und er wollte es auch gar nicht.

Meine Lieblingsalben von ihm sind "Traces Of Love" und "Orange Colored Sky". Dann kommen "Hold Me", "Strangers In The Night", "My Way Of Life", "Bye Bye Blues" und "To The Good Life". Vom letzten Album ist es das gleichnamige Arrangement "To The Good Life", dessen Trompetensoli gespielt von Ack van Rooyen einen nie mehr losläßt. Von dem Album "6 plus 6" gehören besonders die Titel "Dinos Melody" und "All I Ever Need Is You" zu meinen Favouriten.

Von den älteren Alben sind besonders "With A Sound In My Heart" und "Dreaming In Wonderland" zu nennen. Langsame und ruhige Stücke mit verträumten Trompetensoli gespielt von Manfred Moch. "Dancing In Wonderland" ist etwas rythmischer und mit kleinerer Besetzung gespielt. Sehr rythmisch ist eines seiner ältesten Alben "Combo Capers", ebenfalls mit kleiner Besetzung aufgenommen. Natürlich darf auch "A Swingin Safari" nicht fehlen, eines seiner besten Alben.



Herbert Rehbein

Herbert Rehbein war der lebenslange Freund und Partner von Bert Kaempfert. Sie sind sich das erste Mal bereits Anfang der 50er Jahre beim BFN begegnet und kamen ins Gespräch. Herbert Rehbein erzählte, dass er kürzlich bei einem Probespiel durchgefallen war. Bert Kaempfert kümmert sich um den studierten Geiger und sie wurden Freunde fürs Leben. Fortan komponierten sie zusammen die Titel für das Bert Kaempfert Orchester.

Im Jahr 1964 wurde zwischen Bert Kaempfert und Herbert Rehbein ein Künstlervertrag geschlossen, der es Herbert Rehbein ermöglichte, als Solist und Arrangeur eigene Wege zu gehen. Herbert Rehbein produzierte insgesamt drei eigene Langspielplatten. Für die Aufnahmen nahm er die Musiker von Bert Kaempfert, jedoch holte er sich zusätzlich Streicher vom NDR-Rundfunkorchester. Seiner erste LP erscheint 1964 in Amerika unter dem Titel "To Soothe That Tiger". 1967 folgt seine zweite LP "Love After Midnight" und 1969 seine dritte LP "...And So To Bed".

Rehbeins Musik unterscheidet sich deutlich von der seines Freundes Bert Kaempfert. Sie ist sehr streicherdominiert und nur von einem leichten Rhythmus geprägt. Fetzige Bläsereinlagen fehlen meist. Auf der letzten LP "...And So To Bed" greift Rehbein aber auf die Titel zurück, die er zusammen mit Bert Kaempfert komponiert hat. So finden sich auf diesem Album viele erfolgreiche Titel des Bert Kaempfert Orchesters.

Leider waren die Verkaufszahlen der Rehbein-Alben nicht hoch und die Plattenfirma hatte nach der dritten LP klargemacht, dass sie an weiteren Rehbein-Produktionen kein Interesse mehr hat. Das ist eigentlich sehr schade, denn Rehbeins Musik ist außergewöhnlich und scheint wie von einem anderen Stern zu sein. Seine romantischen Streicher und das Saxophon von Emil Wurster (auf der ersten LP) sind sehr gefühlsvoll und bringen, wie der Decca-Produzent Milt Gabler sagte, die Herzen regelrecht zum Glühen. Man verfällt regelrecht dazu, dieser Musik zu lauschen, die sogar einen Tiger beruhigen könnte. Herbert Rehbein war ein erstklassiger Musiker und Arrangeur und wurde leider viel zu wenig gewürdigt.

Im Jahr 1979 hatte Rehbein eine Idee: Er arrangierte eine Aufnahme mit der Melodie einer Amsel. Diese Aufnahme wurde mit morgendlichen Vogelstimmen und mit den Klängen einer Rockgitarre unterlegt. Das fertige Stück "Beautiful Morning" erschien 1979 als Single. Rehbein wollte eine ganze LP in diesem Stil machen, aber dazu kam es nicht mehr, da er wenig später einen Krebsleiden erlag.

Die besondere Musik von Herbert Rehbein erinnert mich am ehesten an eine gute Filmmusik der alten Schwarzweissfilme, wie die Filme von Alfred Hitchcock. Hört man z. B. die Titel "Hold Back The Dawn", "Manhatten After Dark" oder "Lady" in der Version von Herbert Rehbein, wird man deutliche Unterschiede feststellen. Ich kann mich nicht entscheiden, welche Version die bessere ist. Beide sind faszinierend. Alle drei LP's von Herbert Rehbein sind auf einer Doppel-CD erhältlich, unter dem Namen "Soothing The Tiger".


glut.jpg

Passend zur Musik von Herbert Rehbein - Glut im Ofen oder Kamin


© Copyright: 2017-2019 Mario Lehwald